Dienstag, 18. Juni 2013

Protest gegen Polizeigewalt am Flüchtlingscamp Berlin


Am Abend des 17. Juni 2013 wurden BewohnerInnen und UnterstützerInnen des Flüchtlingscamps am Berliner Oranienplatz nach einem Angriff auf einen Bewohner während des folgenden Polizeieinsatzes mit Polizeigewalt, Pfefferspray und Gummiknüppeln eingedeckt. Dagegen wurde einen Tag später starker Protest organisiert.  

Montag, 17. Juni 2013

8.000 bei Protest-Solidemo zur türkischen Botschaft

Am vergangenen Sonntag (16.06.) gingen in Berlin bis zu 8000 Menschen aus Solidarität mit der Protestbewegung in der Türkei auf die Straße
von Ronald Luther, Berlin

Diese bisher größte Demonstration anlässlich der Ereignisse in der Türkei führte unter Rufen wie "Her Yer Taksim, Her Yer Direnis!" (Taksim ist überall, überall ist Widerstand), "Tayyip istifa!" ("Tritt zurück [Erdogan]" und "Fasizme Karsi omuz omuza!" ("Schulter an Schulter gegen den Faschismus") vom Kottbusser Tor bis in die Nähe der türkischen Botschaft. Bereits am Vortag hatten in Berlin etwa 1000 Menschen spontan gegen die brutale Räumung des Geziparks in Istanbul durch die türkische Polizei demonstriert.
 Obwohl die Demonstration friedlich verlief, hatte die Polizei die Botschaft weiträumig abgesperrt, so dass die Botschaftsangehörigen von der Abschlusskundgebung wenig mitbekommen haben dürften.
Bilder von der Demo hier
Video: http://youtu.be/IfwoSo94DXs

Sonntag, 16. Juni 2013

Solidarität mit den Protesten in der Türkei!

Her yer Taksim, her yer Direniş!
Angesichts der enormen Repression gegen die Proteste in der Türkei finden derzeit fast täglich Solidaritätsdemonstrationen in Berlin (und vielen anderen deutschen Städten und weltweit) statt.
Aktuelle Berichte und politische Analysen unserer türkischen Schwesterorganisation Sosyalist Alternatif, direkt aus Istanbul, findet ihr hier: http://www.sosyalistalternatif.com/ bzw. auf Facebook: http://www.facebook.com/SosyalistAlternatif.
Die deutsche und die österreichische Sektion des Komittee für eine Arbeiterinternationale berichten ebenfalls: http://www.sozialismus.info/tag/tuerkei/ und www.slp.at/.

Freitag, 14. Juni 2013

Streikauftakt im Einzelhandel: wütende ver.dianer auf dem Alex

Heute begann in Berlin die Gegenwehr der im Einzelhandel Beschäftigten. Die Arbeitgeber hatten die Tarifverträge gekün- digt und wollen ihre Profite auf dem Rücken der Beschäftigten maximieren. Dagegen kamen zum Auftakt etwa 500 KollegIn- nen, die Stimmung war kämpfe- risch, die KollegInnen sind wütend. Hier ein paar Eindrücke, ein Bericht folgt in Kürze.

Solidaritäts-Erklärung der SAV: 
http://www.sozialismus.info/2013/06/solidaritaet-mit-dem-streik-im-einzelhandel/

Donnerstag, 13. Juni 2013

Bericht vom Sozialismustag in Berlin 2013

Am Samstag, dem 8. Juni trafen sich im Haus der Demokratie in Berlin ungefähr 100 Menschen, um im Rahmen des Sozialismustags über die Krise des Kapitalismus und mögliche Alternativen zu diskutieren. Während in den letzten Jahren die Sozialismustage als bundesweites Event zu Ostern stattfanden, wurde dieses Jahr entschieden, regionale Veranstaltungen durchzuführen, um mehr Menschen in verschiedenen Orten eine Teilnahme zu ermöglichen.

Südafrika vor einer Revolution

Der Tag begann mit einer Diskussion zur Streikbewegung der Bergarbeiter in Südafrika und zur neuen Arbeiterpartei WASP (Workers and Socialist Party). Dazu sprach Alec Thraves von der englischen Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV) über seinen Besuch in Südafrika. Er berichtete über den Streik der Bergarbeiter gegen unmenschlichen Arbeitsbedingungen und für höhere Löhne. Er beschrieb die katastrophalen Lebensbedingungen der südafrikanischen Arbeiterklasse und das Massaker von Marikana, bei dem im August 2012 34 Bergarbeiter getötet wurden. Kern seines Beitrags waren aber die enormen Kämpfe und Streiks der ArbeiterInnen, die Südafrika zum „Zentrums des weltweiten Widerstandes“ machen. Aus diesem Widerstand ist die WASP, die in diesem Frühjahr gegründet wurde, entstanden.
 Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der LINKEN, der sich auch mit dem Schwerpunkt Afrika beschäftigt, referierte über das Ende der Apartheid in Südafrika. Er beschrieb den Wandel des ANC von einer Partei, die den Widerstand angeführt hat, zu einer Partei, die die Interessen der Reichen und der Minenkonzerne notfalls auch mit Waffengewalt durchsetzt. Die Rolle des ANC war auch Thema der Diskussion. Zur Zeit der Apartheid gab es eine große Unterstützung des ANC durch die europäische Arbeiterbewegung und durch die Linke. Diese Unterstützung muss nun vollständig entzogen werden und neue Solidarität für die Kämpfe der südafrikanischen Arbeiterbewegung organisiert werden. Als ein Schritt wurde diskutiert, dass die LINKE der WASP ihre Unterstürzung aussprechen sollte.

Anti-Sexismus

Nach diesem Auftaktpodium begann ein Block mit Workshops zu der LINKEn im Bundestagswahlkampf, zu den Erfahrungen der britischen Gewerkschaftsklinken und zu dem Kampf gegen Sexismus in Gewalt gegen Frauen. Hier berichteten verschiedene AktivistInnen von Linksjugend ['solid] über die erfolgreichen Kampagne „Occupy Barbie Dreamhouse“, die sich gegen sexistische Rollenklischees für Mädchen und junge Frauen wendet. Außerdem wurden verschiedene internationale Kampagnen gegen Gewalt gegen Frauen, für Wahlfreiheit von Frauen im Fall von Abtreibung und gegen die Verharmlosung von Vergewaltigungen vorgestellt. Die AktivistInnen waren sich einig, auch weiter gegen Sexismus aktiv zu bleiben und für die Demo gegen sexistische Außenwerbung am ersten September in Berlin zu mobilisieren. Die Diskussion wurde mitgeschnittenen und ist in den nächsten Tagen als Podcast auf www.rosareloaded.de, dem Blog der SAV zur Geschlechterpolitik zu lesen.

 

 Wahlkampf als Klassenkampf

Gut besucht war der Workshop „Opposition oder Anpassung? Die LINKE im Bundestagswahljahr“. Hier sprachen Heidrun Dittrich und Harald Koch (beide Mitglied des Bundestags für DIE LINKE) und Lucy Redler (SAV-Bundessprecherin und Mitglied von LINKE und AKL) darüber, wie ein bewegungsorientierter, eigenständige Oppositionswahlkampf aussehen könne. Auch die Frage, wie sich DIE LINKE zur Eurofrage verhalten solle, spielte in der Diskussion eine Rolle.
In einem spannenden Workshop zu den Erfahrungen der britischen Gewerkschaftslinken berichtete Alex Thraves von der Arbeit des Vertrauensleute-Netzwerks National Shop Stewards Network (NSSN) und der Rolle, die kleine linke Gewerkschaften wie die PCS und die RMT spielen, um den Druck auf den britischen Gewerkschaftsdachverband für die Durchführung kämpferischer Streikaktionen zu erhöhen.

In was für einer Krise leben wir?

Am Nachmittag fand das Podium „Finanzkrise oder Krise des Kapitalismus“ mit Thomas Fricke (ehemaliger Chefökonom der Financial Times Deutschland und Autor von „Wieviel Bank braucht der Mensch“) und mit Winfried Wolf (marxistischer Ökonom und Herausgeber der Zeitschrift Lunapark 21) statt. Die Debatte über den Charakter der Krise mit diesem interessant zusammen gesetzten Podium verfolgten achtzig BesucherInnen. Viele beteiligten sich mit eigenen Ideen an der Diskussion. Thomas Fricke beschrieb in seinem Input die Krise eines deregulierten Finanzmarktes und entwarf einen Plan, die Finanzmärkte zu bändigen. Winfried Wolf und weitere Beiträge aus dem Publikum betonten, dass die aktuelle Weltwirtschaftskrise nicht nur eine Krise der Finanzmärkte, sondern vor allem auch eine Krise der materiellen Produktion sei. Dabei handele es sich nicht nur um eine zyklische (Überproduktions)-Krise, sondern um eine Tiefe systemische Krise des Kapitalismus.

Von Einzelhandel bis Charité: Erneuerung durch Streik

Den Abschluss des Sozialismustags bildete ein gut besetztes Podium zum Thema „Erneuerung durch Streik“. Es diskutierten eine Vertreterin der ver.di Charité, der oppositionelle Betriebsrat der Alternativegruppe von Daimler-Marienfelde Waldemar Derda, Johannes von Simons von der jungen GEW und René Kiesel aus dem SAV-Bundesvorstand darüber, wie die Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen werden und welche Erfahrungen wir aus den Streiks an der Charité und der angestellten LehrerInnen ziehen können. In der Diskussion wurde unter anderem die Frage behandelt, wie Kämpfe – auch der Beschäftigten im Einzelhandel – synchronisiert werden und auch prekarisierte KollegInnen einbezogen werden können. Die ver.di-Vertreterin rief alle im Raum dazu auf, die KollegInnen an der Charité zu unterstützen. Das werden wir gern tun.
So war der Sozialismustag eine gelungene Mischung aus theoretischen Diskussionen und sehr praktischen Fragen für die Organisierung von Kämpfen.

Dienstag, 4. Juni 2013

CFM: Gewerkschaften setzen Tarifverhandlungen aus


CFM Arbeitgeberangebote waren blanker Hohn

Die CFM (Charité Facility Management) schreibt auf der ersten Seite ihres Internetauftrittes unter anderem: „Das CFM-Management- system zur Kostensenkung und Qualitätssicherung wurde schon bald nach seiner Einführung europaweit als ISO-Standard anerkannt.“ Das ist alles, was die Geschäftsführung im Sinn hat, die mit härtesten Bandagen gegen die KollegInnen und Gewerkschaften vorgeht, die einen Tarifvertrag durchsetzen wollen.
von László Hubert

Die CFM ist das Produkt der Ausgründung aller nichtmedizinischen Arbeitsbereiche aus dem Berliner Universitätsklinikum Charité, die im Jahre 2006 vom rot-roten Senat aus der Taufe gehoben wurde. 49 Prozent wurden damals an ein privates Konsortium bestehend aus den Konzernen Dussmann, Vamed und Hellmann vergeben. Seitdem werden die Kolleginnen und Kollegen von diesem quasi privaten Regime ausgequetscht und ausgebeutet. Das ist politisch gewollt. Alle Regierungen, egal welcher Färbung, deckten bzw. decken dieses Unternehmen. Von den Personen die diese Misere verantworten und verwalten, ernten die Beschäftigten gewöhnlich Schulterzucken, bestenfalls mitleidige Sonntagsreden.
Deshalb haben wir 2011 drei Monate gestreikt, um den tariflosen Zustand zu beenden. Als wir wieder an die Arbeit gingen, hatten wir immerhin einen Mindestlohn von 8,50 € und die Zusage zu Tarifverhandlungen in der Tasche. Das war im Dezember 2011. Die Tarifverhandlungen haben im Januar 2012 begonnen. Der Geschäftsführer der CFM eröffnete die Verhandlungen mit der Aussage, dass man sich wohl einig sei, dass diese Verhandlungen aufwandsneutral erfolgen müssten. Da war man sich natürlich nicht einig ….
Die Angebote, die gemacht wurden, waren der reine Hohn. Es gab so gut wie keine Zugeständnisse. Im Gegenteil wäre eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und die unveränderte Tarifierung des jetzigen Zustandes für die CFM-Leitung ein wünschenswerter Tarifvertrag gewesen. So wollte man uns zum Beispiel geteilte Dienste zumuten (das heißt, dass man an einem Tag z.B. vier Stunden morgens und vier Stunden abends arbeiten muss).

Hier ein paar Beispiele dafür, wie sich die CFM-Geschäftsführung einen Tarifvertrag vorstellt:

- keine einheitliche Wochenarbeitszeit,
- flexibler Abruf der jeweiligen wöchentlichen Arbeitszeit durch den Arbeitgeber in
- einer Spanne von 30 bis 46 Stunden mit einer Ankündigungsfrist im Bereich des Bettenmanagements von einem Tag, in den anderen Bereichen von drei Tagen,
- Ausweitung der täglichen Arbeitszeit bis zu 24 Stunden
- Einführung von geteilten Diensten,
- Erweiterte Befristungsmöglichkeiten der Arbeitsverträge (bis zu vier Jahre),
- Urlaub nur entsprechend der gesetzlichen Regelungen – also höchsten 24 Tage bei einer 6-Tage-Woche, 20 Tage bei einer 5-Tage-Woche,
- Keine weiteren Zuschläge für Dienste zu ungünstigen Zeiten,
(Aus dem Tarifinfo Nr. 01/13 der gemeinsamen Tarifkommission von ver.di und dbb)

Das ganze bürokratische Hin und Her, die Verzögerungstaktik und das miese Angebot haben nun zur Aussetzung der Verhandlungen geführt. Diese Aussetzung ist faktisch der Abbruch der Tarifverhandlungen. In der Zeit der „Verhandlungen“ hat die Geschäftsleitung jede Gelegenheit genutzt, die besonders aktiven Kolleginnen und Kollegen fertig zu machen. Kündigungen, Abmahnungen, die ganze Palette des „unternehmerischen“ Direktionsrechtes schamlos ausnutzend waren diese Verhandlungen offenbar niemals ernst gemeint. Den Gewerkschaften ist es leider in diesem Zeitraum nicht gelungen, den Druck aufrecht zu erhalten bzw. sich im Betrieb weiter zu stärken.

Schlussfolgerungen

Das ist die Lage, alles auf Anfang. Die Betriebsgruppen von ver.di bauen sich an allen drei Standorten wieder neu auf. Klassische Gewerkschaftsarbeit ist gefragt. Es geht nicht nur um die Tarifarbeit, sondern um den Arbeitsalltag der Kollegen und Kolleginnen, es geht um die Stärkung der gewerkschaftlichen Strukturen. Es geht vor allem um die Stärkung des Selbstvertrauens der Beschäftigten. Die Gewerkschaften müssen sichtbar sein, Angebote machen, informieren und ermutigen. Das ist die Voraussetzung, um in Zukunft einen Tarifvertrag durch einen Arbeitskampf durchzusetzen.
Die CFM/Charité hat lange genug auf uns eingeprügelt, es ist an der Zeit, die Arme wieder hochzunehmen.
Die Charité ist Europas größte Universitätsklinik. Diese Einrichtung und alles, was in ihr geschieht und geschehen wird, hat Auswirkungen, die weit über den Rahmen des Betriebs hinausgehen. Die Führung von ver.di sollte Ressourcen freimachen für die Arbeit an der CFM und sich außerdem mit ihren gesamten politischen Gewicht der Sache annehmen.
Ein Erfolg an so prominenter Stelle würde nicht nur den Kollegen und Kolleginnen gut tun, sondern wäre etwas, was eine Signalwirkung für andere Betriebe darstellen würde, in denen ähnliche besch… Zustände herrschen.

László Hubert war Mitglied der gewerkschaftlichen Streikleitung und Tarifkommission bei der CFM. Er streikte als befristet Beschäftigter und bekam seinen Vertrag nicht verlängert. Er ist weiterhin aktiv in der ver.di Betriebsgruppe und dem Solidaritätskomitee für die CFM-Beschäftigten.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Berliner Lehrerstreik: „Wir müssen noch einen drauf setzen“

LehrerstreikEine Woche Streik: Berliner Senat bleibt stur.
In der Woche vom 13. bis zum 17. Mai war bei den Berliner Lehrer-Innen Streik angesagt. Direkt im Anschluss daran sprach die “Solidarität” mit einem Aktiven, Christoph Wälz, einem angestellten Lehrer, der sich auch bei der “Jungen GEW Berlin” engagiert.

Heute war der letzte Tag einer Streikwoche der angestellten Lehrerinnen und Lehrer in Berlin. Wart ihr erfolgreich?
Es war ein gelungener Abschluss einer kämpferischen Woche. Heute waren erstmals in dieser Woche alle Schulen zum Streik aufgerufen. Es beteiligten sich 2.500 Kolleginnen und Kollegen aus über 200 Schulen. Zuvor streikten täglich 600 Beschäftigte.
Im Streikcamp fanden jeden Tag Aktionen statt. Zu Besuch war Gordon Ørskov Madsen als Vertreter der ausgesperrten Lehrkräfte in Dänemark. In einer Talk-runde zu prekären Arbeitsbedingungen berichteten befristet beschäftigte Vertretungslehrer von unglaublichen Zuständen. So hat eine Kollegin in vier Jahren bereits 18 Verträge unterschrieben.

Es gab in der GEW kontroverse Diskussionen zum Bestreiken von Prüfungen. Wie habt ihr Euch dazu in dieser Woche verhalten?
Die Grundschullehrer haben die Vergleichsarbeiten in der 3. Klasse bestreikt. An den Oberschulen war jedoch nicht zum Bestreiken der mündlichen Abschlussprüfungen aufgerufen worden. Das war auch eine Lehre aus dem Streik am 23. April, als Beamte ihre streikenden angestellten Kolleginnen und Kollegen als Aufsicht in schriftlichen Prüfungen vertreten haben. Wir mussten festhalten, dass dieser Streik uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht geholfen hat, Eltern, Schülerinnen und Schüler als Bündnispartner zu gewinnen. Deshalb stand unsere Streikwoche jetzt unter dem Motto: “Gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen”. Bei einer Talkrunde im Streikcamp hat eine Elternvertreterin ihre Unterstützung für die Forderungen der angestellten Lehrkräfte erklärt. Und heute haben sich 200 Schülerinnen und Schüler an unserer Abschlussdemo beteiligt.

Hat der Senat jetzt eingelenkt?
Nein, er versucht weiterhin den Konflikt auszusitzen und hofft noch auf eine gerichtliche Entscheidung in seinem Sinne. Aber das Arbeitsgericht hat entschieden, dass der Senat unser Partner in Tarifverhandlungen ist und sich zu unseren Forderungen nach tariflicher Eingruppierung und “alternsgerechten”, also gesünderen, Arbeitsbedingungen verhalten muss. Die Kolleginnen und Kollegen haben an zehn Streiktagen in einem halben Jahr an Streikerfahrung und Selbstbewusstsein gewonnen. Die Stimmung ist ganz klar, dass es weitergehen muss.

Was sind Eure Pläne?
Auf der Abschlusskundgebung wurde bereits angekündigt, dass es im nächsten Schuljahr wahrscheinlich zu einem mehrtägigen Streik kommen wird. In allen Bundesländern gehen wir jetzt in eine Kampagne für tarifliche Regelungen zu Entgelt und Arbeitszeit für die bundesweit 200.000 Angestellten. Die Vorsitzende der GEW Sachsen berichtete heute, dass die sächsische Landesregierung Angst davor hat, dass der Funke von Berlin auf die 31.000 angestellten Lehrkräfte in Sachsen überspringt. Ein koordiniertes Vorgehen würde auch die Streikhochburg Berlin stärken.

Wie könnt ihr den Druck auf den Berliner Senat erhöhen?
Auf einer Facebook-Seite schrieb ein Berliner Kollege: “Es wird Zeit, dass wir nicht mehr nur warnen! Ein Warnstreik ist doch die Ankündigung eines Erzwingungsstreiks. Als PädagogInnen wissen wir, dass man das, was man ankündigt, auch umsetzen muss, sonst macht man sich lächerlich!”
Genau das ist der Punkt. Der Senat setzt jetzt darauf, dass wir uns einen Erzwingungsstreik nicht zutrauen. Wir müssen also einen draufsetzen, wenn wir unsere Forderungen durchsetzen wollen. Dazu muss natürlich ehrlich analysiert werden, wie stark wir sind und was noch getan werden muss. Was ist nötig, um die GEW-Strukturen an den Schulen zu stärken? Wie können wir die nötige Unterstützung in der Öffentlichkeit aufbauen?
Aber die Zeit ist günstig. Zu Beginn des nächsten Schuljahres stehen die Parteien im Bundestagswahlkampf. Da kann Druck ausgeübt werden.
Auch das Thema Beamtenstreik ist wieder präsent. Im März haben sich 800 Beamtinnen und Beamte in Rheinland-Pfalz an den Warnstreiks der Länder-Tarifrunde beteiligt. Im Mai haben 600 Beamte in Bremen gestreikt. Auch in Berlin leidet die Mehrheit der verbeamteten Kolleginnen und Kollegen unter der großen Arbeitsbelastung und hat ein Interesse daran, dass wir unsere Forderungen durchsetzen.

Freitag, 17. Mai 2013

Occupy Barbie-Dreamhouse: Bericht vom Eröffnungstag

Barbie1Erfolgreicher Kampagnen- höhepunkt mit über 300 TeilnehmerInnen
Am 16. Mai eröffnete in Berlin das lebensgroße Barbie-Puppenhaus begleitet von lautstarken Protesten. Mit Diskussionen, Flugblättern und Treffen mobilisierte Occupy Barbie-Dreamhouse gegen die Eröffnung. Sie organisieren junge Leute, die mit dem herrschenden Rollenbild nicht einverstanden sind und haben noch einiges vor.
von Michael Koschitzki, Berlin

„Das Ding ist ein rosa Messer in den Rücken des Feminismus. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, was letzteres heute eigentlich bedeutet.“ schrieb mir eine Bekannte per SMS über das Barbie-Dreamhouse. Über 300 demonstrierten am 16. Mai nachmittags ab der Weltzeituhr, um diesem Unmut über das Barbie-Dreamhouse Ausdruck zu verleihen. Die OrganisatorInnen hatten moderat mit 100 gerechnet. Ein Polizist mockierte sich kurz vor Beginn „Wenn es nur 49 werden, dürft ihr auf dem Gehweg laufen“. Während die OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen froh waren, hingen ihm die Mundwinkel runter.
Was Feminismus heute auch bedeuten kann, erklärte Julia Götte bei der Auftaktkundgebung. „Wir sollen uns tausend Cremes ins Gesicht klatschen, eine gute Mutter sein und dazu noch perfekt im Job und das Haus perfekt sauber halten. […] Wir wollen nicht, dass uns vorgeschrieben wird, wie wir aus zu sehen haben, um erfolgreich zu sein. Wir wollen aber auch erfolgreich sein können.“
Die Kampagne, die von Linksjugend ['solid] Berlin Kreuzkölln ins Leben gerufen wurde, richtet sich gegen den Schönheitswahn, der sich für alle Frauen verschärft und immer weniger vor Kindern halt macht. Sie kritisieren nicht nur das Barbie-Dreamhouse sondern wendeten sich im Aufruf für die Demonstration auch gegen Niedriglohn, frauenfeindliche Medien und Benachteiligung im Berufsleben. Das machten auch Redebeiträge von der LINKEN und Linksjugend ['solid] deutlich. Die Kampagne ruft auf, sich zu organisieren: „Das Problem ist kein individuelles sondern ein gesellschaftliches. Solange im Kapitalismus davon profitiert wird, dass Frauen weniger verdienen und Hausarbeit verrichten, gibt es ein Interesse an der Benachteiligung von Frauen. Nur organisiert und gemeinsam können wir uns dagegen wehren.“

 

GewerkschafterInnen gegen das Barbie-Dreamhouse

Als die Demonstration am Streikcamp der Lehrerinnen und Lehrer vorbeizieht, drehen sie ihre Anlage auf und rufen ihre solidarische Unterstützung für die Demo zu. Die GEW hatte im Vorfeld den Aufruf unterstützt und die Demonstration in den Streikkalender aufgenommen. In Berlin streiken die LehrerInnen für eine Lehrerentgeltordnung und bessere Arbeitsbedingungen. Der Streik dauert die ganze Woche und dafür wurde ein Camp am Roten Rathaus eingerichtet. Ines Schwerdtner von der jungen GEW hielt bei der Demonstration gegen das Barbiehaus eine Rede.
Auch von der Charité gibt es solidarische Grüße an die Demonstration. Stephan Gummert von der ver.di Betriebsgruppe kritisierte das Frauenbild, dass auch durch Spielzeug von Krankenpflegerinnen gemalt wird. Frauen werden für harte Pflegearbeit herangezogen und verdienen sogar noch weniger als Männer.

 

Friedliche Demonstration

Barbie2Die friedliche Demonstration zog einmal um das Barbiehaus herum. Die Demonstranten richteten sich an die Kinder im Haus klatschten und riefen Sprüche zum Barbiehaus. Die Polizei verhaftete kurzzeitige eine Person wegen angeblicher Sachbeschädigung. Entlang der Strecke waren Sticker gegen das Barbie-Dreamhouse aufgetaucht. Der Veranstalter vom Barbiehaus versuchte seit Beginn den Protesten Gewaltbereitschaft zu unterstellen. Zu Beginn verbreiteten sie das Gerücht jemand wäre mit einem brennenden Kreuz ins Haus gerannt. Später stellte sich heraus, dass niemand mit irgendwas im Haus war, sondern eine Frau umgeschubst wurde, als die Security rabiat gegen eine Femen-Aktivistin vorging.
Diese Aktivistin dominierte jedoch auch die Presseberichte über die Proteste gegen das Barbiehaus. Stevie Schmiedel von pinkstinks, die auch die Demonstration unterstützte schrieb auf Facebook: „Hunderte von Interviews gegen Barbie. Tolle, friedliche Stimmung. Eine aggressive Femen-Aktivistin, zwei Verletzte, und die Richtung der Presse ist klar. Wir sind wütend und traurig. Das ist weder kollegial noch feministisch – und das alles am Nachmittag, als Schulkinder dabei waren. Muss das sein? Femen, es reicht!“
Das ganze wirft ein Licht auf den falschen Ansatz der Initiative Femen, aber auch auf die Presse, die bewusst dann darüber berichtet als über die wirkliche Bewegung gegen das Barbiehaus. Es zeigt, dass wir uns nicht auf die Presse verlassen können, sondern nur effektiv sind, wenn wir mit vielen gemeinsam und organisiert gegen Frauendiskriminierung protestieren.

Barbie3 

Wie weiter?

Deshalb wird Linksjugend ['solid] auch weiter machen, junge Frauen und Männer für den Kampf gegen Frauendiskriminierung und Unterdrückung zu organisieren. Überlegungen sind zur Demonstration gegen Sexismus in der Werbung am 1. September eine Kampagne zu machen. Für Linksjugend ['solid] spielt aber auch eine Rolle, Feminismus als Thema in Wahlkampfzeiten zu setzen und dazu Aktionen zu machen. Viele Aktivistinnen und Aktivisten haben mitgeholfen die Kampagne zu einem Erfolg zu machen. Wenn ein großer Teil von ihnen weiter macht, ist das ein wichtiger Schritt richtig was zu verändern.

Veranstaltung mit Franziska Sedlak von Occupy Barbie-Dreamhouse bei dem Berliner Sozialismustag Samstag 8. Juni 14 Uhr:

Wie können wir Sexismus und Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen?

Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin
Veranstaltung mit Julia Götte von Occupy Barbie-Dreamhouse auf dem Hamburger Sozialismustag Samstag 8. Juni 16 30 Uh:

Feminismus jetzt! Widerstand organisieren nach dem Rollback!

Brüderle &Co sind nicht die Einzigen, die in einer Debatte über Sexismus zu Wort kommen sollen. Gerade bilden sich international neue Gruppen, Bewegungen und Ideen zum gemeinsamen Widerstand. Dem Sexismus massenhaft Solidarität entgegensetzen – organisiert aktiv werden gegen Gewalt gegen Frauen, sexistische Angriffe, Barbie Dreamhouse und Mario Barth!
Podiumsdiskussion mit Emma Quinn (Aktivistin der Kampagne ROSA, Irland), Leonie Milionis (SAV Hamburg), Julia Götte (Aktivistin von Occupy Barbie Dreamhouse, Berlin)

Montag, 6. Mai 2013

Sozialismustag 2013 Berlin am 8. Juni

Alle Infos hier: http://www.sozialismus.info/sozialismustage-2013/sozialismustag-2013-berlin/

Veranstaltungsort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Das ausführliche Programm könnt ihr direkt hier anschauen.

Anmeldung unter: berlin@sav-online.de oder telefonisch unter: 030/24723802

Programm:
11 Uhr: Plenum:
Südafrika vor einer Revolution? Die neue Arbeiterpartei WASP, die Streiks der Bergarbeiter und der Kampf für Sozialismus
Mit: Niema Movassat (MdB DIE LINKE*), Alec Thraves, Socialist Party England & Wales, Augenzeuge und Teilnehmer am Streik der südafrikanischen Bergarbeiter
– mit Videos aus Südafrika
13 bis 14h Mittagspause

14 Uhr bis 16: workshops parallel:
A) Wie können wir Sexismus und Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen?
Mit: Franziska Sedlak von Occupy Barbie Dreamhouse und Linksjugend Kreuzkölln

B) Opposition oder Anpassung? DIE LINKE im Bundestagswahljahr
Wie können wir eine Partei der Bewegung aufbauen?
Mit: Heidrun Dittrich (MdB DIE LINKE*, Mitglied AKL), Lucy Redler (SAV-Bundessprecherin, Mitglied AKL und DIE LINKE)

C) Name the date for a general strike:
Wie hat es die britische Gewerkschaftslinke innerhalb weniger Jahre geschafft, dass das Thema Generalstreik wieder auf der Tagesordnung steht? Welche Rolle spielen kleine linke Gewerkschaften wie RMT und PCS und das Vertrauensleute-Netzwerk “National Shop Stewards Network”?
Mit: Alec Thraves (Socialist Party England & Wales, stellvertr. Vorsitzender des Swansea Trade Union Council)

16:30 bis 18:30 workshops parallel:
A) Finanzkrise oder Krise des Kapitalismus? Welchen Charakter hat die Eurokrise und wie kann sie überwunden werden?
Mit: Thomas Fricke (ehem. Chefökonom Financial Times Deutschland, Autor von „Wieviel Bank braucht der Mensch?“), Winfried Wolf (marxistischer Ökonom und Herausgeber von Lunapark21)

B) Nein zu nationalistischen Krisenlösungen – Wer ist die ‘Alternative für Deutschland’?
Am 16. April fand der erste Bundesparteitag der ‘Alternative für Deutschland’ statt. Hat sie das Potential eine starke rechtspopulistische Kraft aufzubauen? Wie können wir ihren Argumenten gegen den Euro ein antikapitalistisches Programm entgegen stellen?
Mit: Steve Kühne, Autor diverser Bücher und Broschüren und antifaschistischer Aktivist

19:30h bis 21:30 Plenum
Erneuerung durch Streik: Was lernen wir aus den Erfahrungen an der Charité und vom Streik der angestellten Lehrer? Wie können die Gewerkschaften zu Kampforganisationen werden?
Mit: N.N. (ver.di Charité*), Johannes von Simons (junge GEW Berlin*), Waldemar Derda (Alternative; Betriebsrat Daimler Marienfelde*), René Kiesel (war in Streikleitung CFM aktiv und Mitglied des SAV-Bundesvorstands)
Moderation: Alexandra Arnsburg
* dient nur zur Kenntlichmachung der Person

Sota_Berlin_3Anfahrtsbeschreibung: Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, Haltestelle „Am Friedrichshain“ M4, Buslinien 142 und 200 (vom Alexanderplatz wenige Haltestellen)
siehe auch:
http://www.hausderdemokratie.de/artikel/kontakt.php4

Kosten: Tageskarte 7 Euro pro Tag, Frühbucherrabatt bis 15.Mai: 5 Euro
Vegetarisches und veganes Essen und Getränke werden kostengünstig bereit gestellt.
Anmeldung unter: berlin@sav-online.de oder telefonisch unter: 030/24723802